HörNACHRICHTEN, HörTECHNIK — 23. Juli, 2010 — 0 Kommentare
SpeechGuard ebnet den Weg zu einem besseren Sprachverstehen
Wenn Sie eine Menschengruppe durch Brillengeläser betrachten, die nicht auf Ihre Sehschwäche abgestimmt sind, sehen Sie die Gesichter nur verschwommen und unscharf. Genauso verhält es sich auch mit Verstehen von Sprache. Jede Sprache enthält tonale und vitale Details, die es uns ermöglichen, ein Wort von einem anderen Wort, eine Stimme von einer anderen Stimme zu unterscheiden. Mit zunehmendem Hörverlust geht die Fähigkeit, diese Details zu erkennen, verloren. Deshalb ist es wichtig, frühzeitig vorzubeugen.
So funktionieren herkömmliche Hörgeräte
Herkömmliche Hörsysteme folgen der Strategie, die leisen Sprachanteile zu verstärken. In ruhigen Situationen ist das vergleichsweise einfach, aber in einer lärmhaltigen Umgebung erweist sich diese Aufgabe als erheblich schwieriger. Denn laute und leise Klänge werden dann in einem eingeschränkten Dynamikbereich zusammengepresst und machen es dem Nutzer schwer, die einzelnen Klangquellen auseinanderzuhalten und sich auf die Sprache zu fokussieren.
Herkömmliche Hörgeräte stehen in solchen Situationen vor einer Entweder-oder-Entscheidung. Entweder erhöhen sie die Lautstärke und verstärken dadurch Sprache und Hintergrundgeräusche gleichermaßen. Oder sie dämpfen die Lautstärke, um den Komfort zu erhöhen. Mit abnehmender Lautstärke steigt jedoch das Risiko, auch andere Sprachdetails unhörbar zu machen, die Sie gerne hören würden. Steigt der Lärmanteil dann plötzlich an, kann es eine Weile dauern, bis Sie die Sprache wieder in einer akzeptablen Klangqualität hören, weil das Hörgerät noch nicht realisiert hat, dass der Lärm bereits wieder abgeebbt ist. Dieser „Pump-Effekt“ irritiert nicht nur, sondern er erschwert auch das Sprachverstehen.
Auf die Geschwindigkeit kommt es an
Anders SpeechGuard. Dieses Signalverarbeitungsverfahren, das dem neuen Hörsystem Agil von Oticon (siehe Foto) zugrundeliegt, arbeitet in einer so hohen Geschwindigkeit, dass es einer Entweder-oder-Entscheidung enthoben ist: es erhält gleichzeitig die Sprachdetails und beugt einem Komfortverlust vor. SpeechGuard begrenzt die Hintergrundgeräusche auf ein komfortables Maß und verstärkt die Sprache so, dass ihre Klarheit und Konturen erhalten bleiben. Auf diese Weise muss der Nutzer weniger Energie aufbringen, um einer Konversation zu folgen und es fällt ihm leichter, während eines Gespräches seine Aufmerksamkeit auf mehrere Menschen zu verteilen.
Zudem schützt SpeechGuard vor übermäßig lauten Klängen. Stellen Sie sich vor, dass Sie sich in einem Raum mit einem Freund unterhalten und plötzlich schlägt die Tür mit einem lauten Knall zu. Unter Umständen werden Sie den Satz nicht vollständig verstehen und es gehen Ihnen ein, zwei Wörter „verloren“. SpeechGuard dämpft den Lärm in einer so großen Geschwindigkeit, dass Sie nicht aus der Konversation gerissen werden und Wort für Wort klar und deutlich verstehen. Herkömmliche Hörgeräte hingegen dämpfen den Lärm deutlich länger, so dass ganze Satzteile vom Lärm verschluckt werden, ehe die Sprache wieder hervortritt.
18% mehr Sprachverstehen
SpeechGuard analysiert unablässig und kontinuierlich die Klangumgebung. Es passt die Verstärkung besonders fein an jede Klangsituation an und erzeugt so einen ausbalancierten und natürlichen Sound. Dabei fokussiert es sich immer auf Sprache und verfolgt die Strategie, die Authentizität und Klangtreue von Stimmen zu erhalten. So wird das Hören spürbar erleichtert. Ältere Technologien verlangen dem Nutzer eine Menge an Energie ab, denn sie stellen den Hörgeräteträger vor die Aufgabe, sich fehlende Teile des „Sprachpuzzles“ zu erschließen. SpeechGuard hingegen bringt auch Details und Nuancen zu Klingen. Dadurch wird das Gehirn entlastet. Es ist nun wieder in der Lage, akustische Informationen zu filtern und relevante von irrelevanten akustischen Signalen zu trennen.
Der Nutzen von SpeechGuard wurde in diversen wissenschaftlichen Tests überprüft. Dabei ließ sich nachweisen, dass sich das Hören auch in stressigen Situationen, wie z. B. in beruflichen Meetings, verbessert. Die Testpersonen verstanden deutlich mehr und fühlten sich am Ende des Tages weniger müde und erschöpft. Im Durchschnitt wendeten sie 10–15% weniger Energie auf, um zu hören. Dieses Ergebnis stellt einen großen Fortschritt dar. Auch das Sprachverstehen in lauter Umgebung wurde in diesen Tests evaluiert. Ergebnis: Im Vergleich mit herkömmlichen Hörsystemen verbessert SpeechGuard das Sprachverstehen um 16–18%. Die Testpersonen berichteten, dass sich ihre Lebensqualität erhöht habe und sie mehr und natürlicher mit Familie, Freunde und Kollegen kommunizieren würden.
Weitere Informationen
- Mehr Informationen zum Agil-Hörgerät von Oticon auf der Internetseite von Oticon