8. February 2012

HörKULTUR, HörNACHRICHTEN — 21. Mai, 2010 — 0 Kommentare

Wildes „Dorian Gray“ als Hörbuch — kostenlos

Oscar Wilde, ca. 1882, Autor von "Das Bildnes des Dorian Gray". Fotograf: Napoleon Sarony. Bildquelle: Library of Congress

Oscar Wilde, ca. 1882, Autor von “Das Bildnes des Dorian Gray”. Fotograf: Napoleon Sarony. Bildquelle: Library of Congress

Das Bild­nis des Dorian Gray ist der einzige Roman des irischen Schrift­stellers Oscar Wilde (* 1854; † 1900). Eine erste Fas­sung erschien 1890, 1891 wurde bei dem Lon­doner Ver­lag Ward, Lock and Co. die heute bekan­nte, überar­beit­ete und erweit­erte Fas­sung in Buch­form veröf­fentlicht. Der sein­erzeit als anrüchig gel­tende Roman war auch Gegen­stand eines Unzucht-Prozesses gegen Wilde.

Dieses exem­plar­ische und lesenswerte bzw. hörenswerte Buch der lit­er­arischen Zeitspanne des des Fin de siè­cle steht nun bei dem Hör­buchan­bi­eter Audible.de als kosten­loser Down­load zur Ver­fü­gung. Einzig und allein eine Anmel­dung bei Audible.de ist notwendig und danach ste­hen den knapp 10 Stun­den Audio­genuss nichts mehr im Weg. Also aus­re­ichend für eine Aut­o­fahrt von Kiel nach Pas­sau (mit Stau)!

Als der Maler auf die anmutige Gestalt blickte, die er so schön in seiner Kunst gespiegelt hatte, überflog ein Lächeln der Freude seine Züge und schien auf ihnen ver­weilen zu wollen. Aber er fuhr plöt­zlich auf, schloß die Augen und drückte die Lider mit den Fin­gern zu, wie wenn er einen abson­der­lichen Traum, dessen Erwachen er fürchtete, im Hirne gefan­gen hal­ten wollte.

Aus Oscar Wildes Buch „Das Bild­nis des Dorian Gray“

Die Haupt­figur, der reiche und schöne Dorian Gray, besitzt ein Porträt, das statt seiner altert und in das sich die Spuren seiner Sün­den und Verge­hen ein­schreiben. Während Gray immer maßloser und grausamer wird, bleibt sein Äußeres den­noch jung und makel­los schön. Der Roman gilt als Oscar Wildes Prosa-Hauptwerk. The­men sind die Moral­ität von Sinnlichkeit und Hedo­nis­mus im Vik­to­ri­an­is­mus, die Dekadenz der englis­chen Ober­schicht und der Ästhetizis­mus – eine lit­er­arische Strö­mung des Fin de siè­cle. Die Hand­lung sowie die eingear­beit­eten Kun­st­be­merkun­gen lassen sich als Prokla­ma­tion des Ästhetizis­mus lesen, doch ebenso als dessen Kritik.

Lord Henry sah ihn an. Ja, er war sicher wun­der­bar schön mit seinen fein geschwun­genen Pur­purlip­pen, seinen treuherzi­gen blauen Augen und seinem gewell­ten Gold­haar. Es lag etwas in seinen Mienen, das sofort Ver­trauen her­vor­rief. Aller Schim­mer der Jugend war da, und ebenso all die lei­den­schaftliche Keuschheit der Jugend.

Aus Oscar Wildes Buch „Das Bild­nis des Dorian Gray“

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